Warum heute nicht mal ein Geheimnis lüften? Ich fühle mich gerade danach. In letzter Zeit muss ich nämlich des öfteren erklären, wieso meine Fotos inzwischen so… anders sind. Meist antworte ich mit nahe liegenden Erklärungen wie: Festbrennweite, ein bisschen Requisite, der Lernprozess, der nach eineinhalb Jahren Foodbloggerei endlich eingesetzt hat. Die Wahrheit aber ist: Ich fotografiere nur noch bei Tageslicht. Selbst wenn ich dafür um 6 Uhr morgens aufstehen und WanTans frittieren muss.

Dabei ist das Frittieren an sich schon eine RIESENHERAUSFORDERUNG für mich. Ich HASSE FRITTIEREN!

Das tut natürlich auf einmal nichts mehr zur Sache, wenn man sich Hals über Kopf in ein Rezept aus der Beef verliebt.

♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ Cranberry-WanTans ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Innen süß und fruchtig, außen heiß und knusprig, kommen unweigerlich Erinnerungen an die legendären, fetttriefenden Kirschtaschen hoch, von denen wir uns Mitte der 90er eine Zeit lang ernährt haben. Aber so sind sie natürlich nicht, die Cranberry-WanTans, sondern um Längen besser.

Weil ich noch nie WanTans frittiert habe, bin ich froh um die Maronensuppe, die die Beef dazu reicht. Die kann ich aus dem Effeff.

Bleibt noch die Suche nach Preiselbeeren und Cranberries. Ich will den direkten Vergleich.

3 Wochen später. Mit Hängen und Würgen habe ich es geschafft, beides aufzutreiben.
Und weiss nun:
Preiselbeeren sind klein, Cranberries sind groß.
Na gut, und ein bisschen unterscheiden sie sich auch geschmacklich.

Gelernt habe ich außerdem:

1. Um 6 Uhr morgens WanTans zu frittieren ist eine doofe Idee.
2. Man braucht mindestens eine Tasse Kaffee davor.
3. Nach dem Frittieren stinkt die Bude 3 Tage lang.
4. Hätte ich Rapsöl zum Sonnenblumenöl gegeben, hätte es weniger gerochen.
5. Gleichzeitig Maronensuppe kochen und WanTans frittieren, geht nur mit einem zweiten Kaffee.
6. Frische Maronen nehmen und im Ofen rösten ist eine doofe Idee.
7. Maronen aus dem Vakuum-Pack sind eine geniale Erfindung.
8.  Gleichzeitig Maronensuppe kochen, WanTans frittieren und Kaffee machen, ist eine … ach, egal.
9. Ich bin definitiv kein Frühaufsteher.
10. Verdammt, die Dinger sind köööööööstlichst!

Und zwar so köstlich, dass ich das Prozedere baldmöglichst wiederholen werde.
Vielleicht nicht unbedingt um 6 Uhr morgens – die Fotos sind ja jetzt schließlich im Kasten.

Kastanienschaumsüppchen mit Cranberry-WanTans

Zutaten

  • Für die Suppe:
    300 g frische Maronen in Schale (alternativ: 200 g vorgegarte Maronen im Vakuum-Pack)
    1 unbehandelte Orange
    80 g Knollensellerie
    3 Schalotten
    4 EL Butter (davon 3 EL gut gekühlt in Würfeln)
    1 TL brauner Zucker
    1 l Kalbsfond (die Beef kocht dafür übrigens auch nicht extra Kalbsknochen, nur mal zur Info)
    Meersalz
    Pul Biber (getrocknete Paprikaflocken, die gibt’s beim Türken um die Ecke)

    Für die Wan-Tans:
    125 g frische Cranberries
    50 g feiner brauner Zucker
    70 ml trockener Rotwein
    30 g gehackte Cashewnüsse (in der Beef sind es Amarettini, die ich allerdings nicht runterkriege)
    12 Wan-Tan-Blätter ( die gibt’s beim Asiaten)
    1 Eiweiß
    ca. 500 ml Sonnenblumenöl, besser: Erdnussöl zum Frittieren

Zubereitung

1. Für die Füllung die Cranberries verlesen, kalt abbrausen und abtropfen lassen. Zucker in einer Pfanne karamellisieren, dann mit Rotwein ablöschen und die Cranberries dazugeben. Alles ca. 10 Minuten einkochen (die Flüssigkeit sollte kaum mehr vorhanden sein). Abkühlen lassen.2. Die Cashewkerne grob hacken, mit einem Messer oder in der Küchenmaschine. Mit den Cranberries vermengen.

3. Den Backofen auf 200 °C (Ober-/ Unterhitze) vorheizen.

4. Für Hartgesottene und Geschmacksperfektionisten: Maronen mit einem Teppichmesser auf der gewölbten Seite kreuzweise einritzen. Auf einem Backblech ca. 25 Minuten rösten. Maronen herausnehmen, leicht abgekühlt schälen, dabei die dünne Haut mit entfernen. Maronen grob zerkleinern.

Oder aber:  Maronen aus dem Vakuum-Pack. Schere. Finito.

5. Orange heiß waschen, dann trocknen. Mit der Microplane ca. 2 Msp. Schale fein abreiben. Orange auspressen. Sellerie schälen und fein würfeln. Schalotten abziehen, fein würfeln.

6. 1 EL Butter in einem Topf erhitzen. Sellerie, Schalotten und Orangenschale darin andünsten. Zerkleinerte Maronen dazugeben und ebenfalls mit andünsten. Zucker einstreuen und glasieren. Mit Orangensaft ablöschen und einkochen. Dann mit Fond auffüllen und ca. 30 Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen.

7. Zutaten in der Suppe gut pürieren und durch ein feines Sieb passieren.

8. Die Wan-Tan-Blätter auf einer Arbeitsfläche ausbreiten, mit Eiweiß bestreichen und jeweils ca. 1/2 TL der vorbereiteten Cranberrie-Füllung darauf verteilen. Teigblätter zu Dreiecken überklappen, Ränder gut andrücken.

9. Kurz vor dem Servieren: Das Öl auf ca. 170 Grad erhitzen. Wan-Tan-Ecken darin knusprig ausbacken. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

10. Vor dem Anrichten die Maronensuppe nochmals kurz erhitzen, nach und nach die übrige gekühlte Butter mit einem Stabmixer unterschlagen und alles aufschäumen. Suppe mit Salz und Pul Biber abschmecken.

11. Suppe in vorgewärmten Schälchen anrichten. Die Wan-Tans separat dazu servieren.

Tipp: Sowohl Preiselbeeren als auch Cranberries lassen sich sehr gut einfrieren. Und selbst die fertige Füllung übersteht den Frostschock überraschend gut.

Samtig, frucht, knusprig, gut: ★★★★★

Zubereitungszeit: Puhh…öh… so über den Daumen gepeilt… eineinhalb Stunden?