Die Zeitspanne, in der ich gleichzeitig würzige Steinpilze und saftige Pfirsiche bekomme, ist denkbar kurz. Entweder sind die Pfirsiche längst über alle Berge oder die Steinpilze so unerschwinglich wie Diamanten. Trotzdem habe ich es bisher noch jedes Jahr geschafft, diese beiden Traumkandidaten für meine ganz private Kochshow zu gewinnen.

Dabei ist meine Liebe zu Kochshows ein wenig ambivalent.

Sie interessieren mich eigentlich gar nicht. Insofern besitze ich auch keine „Bücher zur Sendung“. Wohl aber ein inzwischen leicht zerflettertes Bündel schiefer Kopien mit den besten Gerichten aus „Kerners Köche“.

„Kerners Köche“ (hier kann ich es ja zugeben) gehört zu den wenigen Kochsendungen, bei denen ich Freitag Abend heimlich, still und leise doch gerne hängen blieb. Ich mochte die lässige Art, mit der der beschlipste (und beschwipste?) Moderator zwischen den Töpfen und Pfannen hin- und her vagabundierte und das Verschwinden dieser undefinierbaren, Kerner-typischen Reststeifheit im Moment der kulinarischen Hingabe. Ich mochte die Soapstar-Attitüde von Steffen Henssler, die geschmeidige Nonchalance von Sarah Wiener und sogar den fränggischen Dialekt von Alexander Herrmann. Nur Horst Lichter fand ich reichlich unappetitlich.

Als Lanz dann kam, war die Sendung für mich gelaufen. Lanz geht fast so wenig wie Horst Lichter, und die kurze Phase meiner Kochshow-Liebe war schnell wieder passé.

Das einzige, gut gehütete Relikt ist jener Haufen fettbefleckter, eselsohrverknickter, mit handschriftlichen Bemerkungen versehener Kopien aus einer Zeit, als es cucinapiccina noch nicht gab und die Kombination aus Pfirsichen und Steinpilzen wie ein waghalsiges Abenteuer klang.

Alexander Herrmanns 2005 bei „Kerners Köche“ gekochte Rezept gehört inzwischen zum festen Repertoire meiner Steinpilzorgien. Dieses Jahr kam allerdings noch ein dritter Aspirant hinzu, der bei Herrmann nicht mit im Bunde ist. Es handelt sich dabei um einen grünen Honig, den ich bereits im Sommer angesetzt habe, als die Kräuter auf meinem Balkon noch in Saft und Kraft standen (natürlich lässt sich der Honig auch jetzt, mit gekauften Kräutern, zubereiten!).

An trüben Tagen kann man solche Schätze ganz lässig mit einem überraschten „ahhhhh, der Hooooonig, stimmmmmmmmt ja“ aus den tiefsten Tiefen des Kühlgetüms ziehen und zu Herbstlichem servieren.

Gebratene Steinpilze mit Pfirsich, Speck und grünem Honig

Zutaten

  • 400 g Steinpilze
    2 Schalotten
    1 Knoblauchzehe
    2 Pfirsiche
    4 Scheiben Frühstücksspeck
    4 EL Olivenöl
    1 TL Ziegenbutter (gibt’s in gut sortierten Super – oder Biosupermärkten, zur Not tut’s natürlich auch normale Butter)
    Meersalz, schwarzer Peffer
    1 TL Mandelöl
    ein paar Stengel frischer Thymian
    2 TL grüner Honig (siehe Rezept unten)

Zubereitung

1. Die Steinpilze putzen, mit Küchenpapier trocken abreiben und in Scheiben schneiden. Die Schalotten schälen und fein hacken, Knoblauchzehe fein hacken. Die Pfirsiche kreuzweise einritzen, häuten und halbieren, den Stein entfernen und das Fruchtfleisch in Spalten schneiden.

2. Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Wenn er heiß genug ist, die Speckscheiben auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen und auf der mittleren Schiene ca. 10 Minuten knusprig braten. Herausnehmen, abkühlen lassen.

3. Das Olivenöl und die Ziegenbutter in einer großen Pfanne erhitzen, Schalotten und Knoblauch darin kurz anschwitzen, dann die Steinpilze dazugeben und schön braten, dabei vorsichtig wenden. Mit frischem Thymian, Salz und Pfeffer abschmecken. Pilze aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen.

4. Pfirsiche im restlichen Bratenfett ca. 2-3 Minuten braten, ebenfalls sehr vorsichtig wenden. Salzen und pfeffern.

5. Pfirsichspalten auf Teller verteilen und mit dem Mandelöl beträufeln. Steinpilze darüberlegen, mit Thymianblättchen bestreuen. Speck entweder in kleine Stücke oder in schmale Streifen brechen und über den Steinpilzen & Pfirsichen verteilen. Grünen Honig vorsichtig darüberträufeln, dabei evtl. einen Teelöffel mit Extrahonig mitservieren.

Zubereitungszeit: 35 Minuten (ohne Honig)

Genuss pur: ★★★★★

Grüner Kräuterhonig

Zutaten

  • 1 Glas flüssiger Akazienhonig
    1-2 dl gehackte Kräuter: Basilikum, Zitronenthymian, etwas Estragon, einige Blätter Zitronenverbene oder Zitronenmelisse, 1-2 EL Kerbel

Zubereitung

1. Das Honigglas einige Tage in den Kühlschrank stellen. Der Honig muss kalt sein, wenn er mit den Kräutern vermischt wird!

2. Den Honig mit den Kräutern in einer Schale mit dem Rührbessen so lange mixen, bis er ganz grün ist. Das erfordert ein starkes Handgelenk und einen starken Willen. Ins Glas zurückgiessen und sofort mit dem Deckel verschließen.

Im Kühlschrank aufbewahren, damit der Kräuterhonig seine grüne Farbe und den Geschmack länger behält.

Zubereitungszeit: 20 Minuten

Best of summer, rest of autumn: ★★★★★