Rohe Eier bei diesem Wetter sind nicht ganz ohne, ich hatte tatsächlich ein wenig Angst, mich mit der Thunfischmayonnaise für die nächste Intensivstation zu qualifizieren, aber der Appetit auf Vitello Tonnato war dann doch zu groß. Ich liebe liebe liebe Vitello Tonnato und kämpfe in Restaurants oft mit einem schweren Dilemma: Da habe ich endlich mal wieder Gelegenheit, aufwändige, unbekannte Vorspeisen zu essen – und dann steht da  “Vitello Tonnato” und mein Kopf sagt: Kaufen kaufen kaufen.

Meistens gebe ich der Stimme nach. Das hat auch einen ganz einfach Grund: Die Thunfischmayo selbst zu machen ist nicht das Problem, sondern der Kalbsbraten. Ich habe schlichtweg keine Lust, mir die Haare über die ersten missglückten Versuche zu raufen, und sollte es wider Erwarten dann doch noch klappen, säße ich auf einen Riesenklotz Fleisch, den ich Gelegenheits-Miniportions-Fleischesser alleine niemals bezwingen könnte. Manchmal wünschte ich mir eine große Kommune, in der man sich gegenseitig mit opulenten Gerichten bekocht, die dann in großen Kesseln überm offenen Feuer schmoren. Und am nächsten Tag wird ein Kalb gerissen und Vitello Tonnato für alle gemacht.

Bis es soweit ist, muss ich meinen Kalbsaufschnitt bedauerlicherweise käuflich erwerben.


Dazu gab’s Pinzimonio, wie es in Italien gern gegessen wird: Rohkost, die in Olivenöl und Salz gestippt wird.


Hier das Rezept:

Zutaten für 2 Personen:

6 Scheiben dünnen Kalbsaufschnitt
2 große Eigelbe, Raumtemperatur
2 Anchovisfilets
Saft einer halben Zitrone (wer es gerne etwas saurer mag, nimmt die Ganze)
10 kleine Kapern
1 Schalotte, fein gehackt
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
150 ml mildes Olivenöl
200 g Thunfischfilet, abgetropft
ein paar große Kapernäpfel zum Garnieren
eine Hand voll Kirsch- oder Cocktailtomaten

Zubereitung:

In einem Blender (oder in einem hohen Rührgefäß plus Zauberstab) die Eigelbe, Kapern, Anchovis, den Zitronensaft, die gehackten Schalotten und etwas gemahlenen Pfeffer so lange mixen, bis eine sämige Paste entstanden ist. Die Konsistenz sollte samtig und glatt sein.
In einem dünnen Strahl unter laufendem Mixer das Öl einfließen lassen (daher der Blender, wer es mit dem Zauberstab macht, braucht u.U. eine helfende Hand oder ein stabiles Rührgefäß). Nun die Thunfischstücke dazu geben und das Ganze ein paar Runden im Blender drehen lassen.
Mit Salz, Pfeffer und eventuell noch etwas Zitronensaft abschmecken.

Den Kalbsaufschnitt dünn auf Teller legen und mit der Thunfischcrème bestreichen. Mit ein paar Kapern, den großen Kapernäpfel und ein paar halbierten Tomaten garnieren.
Gut schmeckt dazu etwas Rohkost – hier waren es Sellerie, Karotten, Zucchini, etwas Paprika, Frühlingszwiebeln und dicke Zuckererbsen – die einfach in eine Öl-Salz-Mischung getunkt werden.

Die Thunfischmayonnaise hält sich nicht besonders lang, am Besten aber in einem sterilen Schraubglas im Kühlschrank. Im Zweifelsfall am nächsten Tag essen, zum Beispiel auf Crostini oder zu kaltem Huhn.