Als ich letzte Woche von der Messe nach Hause kam, fand ich meine betagte Kühlschränkin in einem desaströsen Zustand vor. Die Ärmste hatte sich unter der Last der vergangenen Jahre eine Rippe gebrochen. Sind ja auch wahre Glasknochen, so was kann auf Dauer gar nicht gut gehen. Für die nächsten zwei Stunden war ich voll mit Abtupfen, Verbinden und Trösten beschäftigt und kam verdammt spät ins Bett. Ohnehin schlafe ich in letzter Zeit immer schlechter, weil die alte Lady so laut stöhnt und brummt.

Dann das Vollfiasko einen Tag später. Stand da doch bei meiner Rückkehr die Gefriertruhe sperrangelweit offen. Keine Minute kann man das arme Ding alleine lassen. Ich sag euch, das war ein Anblick! Wie ihr stumm das Wasser herabrann – zum Steine erweichen. Müde, kaputt und völlig außerstande, erste Hilfe zu spenden, habe ich die Klappe einfach wieder zu gemacht und mich mit einem Käsebrot aufs Bett gelegt.

Wie gut also, dass ich dann krank wurde und ohnehin nicht aus der Bude konnte. Das Gefrierfach entrümpeln, abtauen und den Inhalt auf Resttauglichkeit prüfen, zählt zwar nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, erst Recht nicht mit Schnupfnase und Erkältungswehwechen, war dann aber doch eine willkommene kreislaufinschwungbringende Abwechslung zum Schlaf-Wach-Koma der vergangenen Tage.

Für meine Nachbarn war ich mit Sicherheit ein amüsanter Anblick, wie ich da im Flanell-Pyjama und Wollschal eine Stunde lang das Tiefkühlfach gefönt habe.

Immerhin: Bei derartigen Aktionen tauchen oft längst vergessene Schätze aus dem Verborgenen auf. Der Reiz liegt im Überraschungscharakter, den das Herausfischen teilweise undefinierbarer Hart-Ware gerne annimmt – und irgendwie auch in der Notwendigkeit des Improvisierens.
Ist das nun A) Hänchenbrust oder B) Kabeljau, C) Kürbis-Kokos- oder doch D) Karotten-Mango-Suppe? Und wenn es A)/B) ist, was mache ich dann damit/dazu?

In meinem Fall wurde es ein Hähnchengeschnetzeltes mit Süßkartoffelpüree und roten Zwiebeln. Ging schnell, gab Kraft und schmeckte tatsächlich nicht nach Kabeljau.

Hähnchengeschnetzeltes mit Süßkartoffelpüree

Zutaten

  • 500 g Süßkartoffeln
    500 g mehlig kochende Kartoffeln
    Salz
    200 ml Milch
    2 EL Butter
    frisch gemahlener Pfeffer
    frisch gemahlene Muskatnuss
  • Für das Geschnetzelte:
    2 rote Zwiebeln
    600 g Hähnchenbrustfilet
    1 EL Pflanzenöl
    400 ml Geflügelfond
    150 g Schlagsahne oder Crème fraîche
    1 EL Senf nach Gusto
    etwas Zitronenabrieb
    frisches Basilikum

Zubereitung

1. Für das Süßkartoffelpüree:
Beide Kartoffelsorten schälen und in Salzwasser etwa 25 Minuten garen. Abgießen, durch eine Kartoffelpresse drücken, Milch und Butter unterheben. Wer keine Presse hat, zerstampft die Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer. Abgeschmeckt wird mit Salz, Pfeffer, frisch geriebener Muskatnuss und einer Messerspitze Bourbon-Vanille (aber nicht Vanillezucker!!!)

2. Für das Geschnetzelte:

2.a) Die Zwiebeln abziehen und in Spalten schneiden. Hähnchenbrustfilets kalt abspülen, trocken tupfen und in feine Streifen oder mundgerechte Stücke schneiden. Das Fleisch im heißen Öl von beiden Seiten anbraten. Zwiebeln hinzufügen und unter Rühren mitbraten. Mit Fond und Sahne aufgießen, kurz aufkochen lassen, dann Deckel druff und ca. 8 Minuten simmern lassen.

2.b) Sauce mit Salz, Pfeffer, Senf und Zitronenabrieb abschmecken. Basilikumblätter abzupfen, trocken schütteln und in Streifen schneiden. Das Hühnchengeschnetzelte mit dem Süßkartoffelpüree und einem Klacks Senf hübsch anrichten, zum Beispiel mit Sprossen, Kresse oder was auch immer zur Hand ist.

Zubereitungszeit: 30 Minuten

Gelingt immer: ★★★★☆

Nachtrag:
Was ich nun allerdings mit der alten Lady anstelle, ist noch nicht restlos geklärt.

Sperrmühl? Gnadenbrot? DDR-Museum?

Spenden für einen neuen Kühlschrank werden natürlich gerne angenommen … am liebsten hätte ich ja einen schmucken SMUG, aber die haben angeblich so ihre Haken…