Mein Gemüsehändler führt seit neuestem Retro-Möhren. Ganz im Stil der 70er Jahre gehalten, sind die kultigen Karotten in knackigem Orange mit violetter Umrandung ein wunderbarer Eye-Catcher für mein Après-Messe-Dinner und zaubern in Windeseile nostalgisches Pop Art-Flair in meinen facettenreichen Wildkräutersalat.
Farblicher Kontrast zur grünen Basis: Zartes Lammfilet in cremigem Nussbraun mit leichtem Rosé-Schimmer. Die wohl dosierten granatapfelroten Tupfer nehmen dem graphisch durchkonzipierten Teller seine optische Strenge und sorgen für das perfekte Dinner – natürlich nur stilecht auf einem original Fiberglass Eames Side Chair DSW.

Falls ihr euch wundert: Ich bin nicht verrückt geworden. Es sind nur zwei Tage imm cologne und gefühlte 20 Kilo Pressematerial, die auf mein Sprachzentrum drücken und meinen Mund seltsame Dinge sagen lassen. Zum stereotypen Interior Design-Sprech kommen klassische Messeverpflegungs-Wehwechen und der dringende Wunsch nach einem paar Birkenstocksandalen. Weil meine letzten Tage kulinarisch gesehen eher Ikea als Design waren, wollte ich abends eigentlich groß aufkochen, aber die Beine trugen mich gerade noch für die Zeit eines Spiegeleis, sunny side up.

Daher also heute: Salat! In der Deluxe-Ausführung selbstverständlich. Gerade bei geistiger und körperlicher Anstrengung ist eine ordentliche Portion Vitamine mit 3 Teelöffeln Augenschmaus bekanntlich ein Muss. Hoffentlich hilft das ganze gesunde Grünzeug auch rasch gegen die Small Talk-bedingten Halsschmerzen, die mich gerade wie ein Reibeisen klingen lassen.


Apropos Reibeisen: Geriebene Karotten im Salat gehen bei mir ja nu mal gar nicht. So aber, als knusprige, mit Sesam- und Koriandersamen gebratene Scheiben, schmecken sie auch mir fantastisch.

Machen übrigens auch als Solisten eine gute Figur ….

Wildkräutersalat mit Lammfilet, violetten Möhren und Granatapfel

Zutaten (für 2 Personen)

  • 2 Lammfilets
    orientalische Gewürze, z.B. Kardamom, Cumin, schwarzer Pfeffer, Koriander, Zimt, etc. oder die Gewürzmischung „Tajine Marrakesch“ von Herbaria
    1 EL Arganöl
    Salz, Pfeffer

    Für den Salat:
    2-3 Hand voll Wildkräuter (gibt’s am Marktstand)
    3 violette Möhren
    je 1 EL Korianderkörner und Sesamsamen
    etwas Olivenöl zum Braten
    ½ Granatapfel

    Für das Dressing:
    2 EL Olivenöl
    4 EL Granatapfel-Essig
    1 Spritzer Zitronensaft
    1-2 TL Akazienhonig
    1-2 TL Dijonsenf
    Salz, Pfeffer

Zubereitung

1. Das Lamm am besten am Vortag einlegen: Alle Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Öl verrühren oder aber gleich die Gewürzmischung mit dem Öl mischen. Mischung über das Fleisch gießen, einmassieren und über Nacht im Kühlschrank marinieren lassen.

2. Wildkräuter waschen und vorsichtig trocken schleudern. Für das Salatdressing Essig, Zitronensaft, Honig, Senf, Salz und Pfeffer in ein hohes Gefäß geben und mit dem Pürierstab gut durchmixen, dann das Öl eingießen und aufmixen. Schneller geht’s, wenn man alle Zutaten in ein Schraubglas gibt und gut durchschüttelt, aber so wird das Dressing auch nur halb so schaumig.

3. Karotten schälen (aber nur dünn, sonst ist die schöne violette Farbe weg) und in schräge Scheiben schneiden. Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Koriandersamen und Sesamkörner darin anrösten, bis sie zu duften und zu springen anfangen. Dann die Möhrenscheiben dazugeben und ca. 5 Minuten mitrösten. Herausnehmen und evtl. warm stellen.

4. Parallel zu den Möhren in einer zweiten Pfanne etwas Öl erhitzen und das Lammfilet von beiden Seiten bei starker Hitze darin anbraten. Das Filet geht relativ schnell, pro Seite reichen also ca. 4 Minuten. Vom Herd nehmen bzw. Gas aus, Fleisch in Alufolie wickeln und ca. 5 Minuten ruhen lassen.

5. Granatapfelkerne auslösen. Das ist ein voller Zubereitungsschritt, finde ich.

6. Fleisch in mundgerechte Stücke aufschneiden. Kurz vor Schluss das Dressing unter den Salat heben und mit dem Fleisch, den Möhren und den Granatapfelkernen servieren.

Passt gut dazu: Lauwarmes Fladenbrot, ein Glas Rotwein und eine Fußmassage.

Zubereitungszeit: 25-30 Minuten

Mhhhhh wie Mmmmmmöhrchen: ★★★★★