Ich weiß, wir müssen alle erwachsen werden. Aber manchmal wünsche ich mir sehnlichst, ich wäre noch einmal klein. Ich wünsche mir meine Kindheit in Italien zurück, als das Leben noch aus Brombeeren pflücken und einem großen Teller Tortellini in brodo bestand, Zicklein füttern und den Hühnern die Eier klauen keine vorgelesene Fantasie aus dem Bilderbuch war und wir an Ferragosto, dem 15. August, jenem heiligsten aller italienischer Feiertage, morgens bei der Bäuerin um die Ecke Milchkaffee und abends auf dem großen Dorffest ein Mini-Schlückchen Rotwein bekamen. Ich war ein kleines, blondgelocktes Mädchen mit meist aufgeschürften Knien und ich war stolz wie Bolle, zwischen all den großen Jungs aus dem Dorf herumzutoben. Manchmal durfte ich auch eine Runde mit auf dem Motorrad fahren. Und so lange aufbleiben, bis mir von selbst die Augen zufielen.

 

Es war eine aufregende, glückliche Kindheit, die meist vom Duft frisch eingekochter Aprikosenmarmelade und knusprig gebratener Patate al forno begleitet war, manchmal auch vom Gestank der frisch gedüngten Felder ein paar Meter weiter. Wir spielten barfuß im Garten und lernten Schwimmen im Gardasee und hörten den „Virlesi“, wie sich die Einwohner unseres 120-Seelendorfes nannten, beim Singen zu. „Vola, colomba bianca vola“ oder „… ehopp la curva“ sind die Versatzstücke jener aus voller Kehle geschmetterten, volkstümlichen Kanzonen, an die ich mich noch erinnern kann, und dann kam in der Regel irgendein Tarantella-artiger, schmissiger Refrain und alle tanzten miteinander, jung mit alt und alt mit jung, und tranken Wein und aßen kaltes Huhn und Mortadella mit Pistazien und Tomatensalat mit Zwiebeln und in dicke Scheiben geschnittenen Schweinebraten. Und waren glücklich und vergaßen alle Sorgen und tranken Grappa und danach aßen wir noch mehr. Ist nicht geflunkert. Wirklich wahr!

So war sie. Meine Kindheit in Italien. Manchmal, besonders an Ferragosto, wünsche ich mir, ich könnte die Zeit zurückdrehen und wäre noch einmal klein.

 

 

Italienischer Schweinebraten „Ferragosto-Style“

Zutaten für 10 Personen:

3 Knoblauchzehen
1 Handvoll frische Salbeiblätter
1 EL mittelgrobes Salz
10 Körner grob geschroteter schwarzer Pfeffer
5 Pimentkörner, im Mörser zerkleinert
2,5 kg Kotelettbraten vom Schwein (am Knochen)
5 EL Olivenöl
2 Zweige frischer Rosmarin
0,3 l trockener Weißwein
Zubereitung:

1. Den Backofen auf 190 Grad vorheizen. Die Knoblauchzehen in Stifte schneiden, Salbeiblätter grob hacken. Mit Salz, schwarzem Pfeffer und Piment mischen. Den Kotelettbraten am Rippenende im Abstand von 1 cm einstechen. Die Knoblauchstifte dort hinein stecken.

2. Den Braten sorgfältig mit der Kräuter-Salz-Gewürz-Mischung einreiben. Das Olivenöl in einen Bräter geben, erhitzen und den Braten von allen Seiten darin anrösten. Die Rosmarinzweige dazulegen. Den Bräter in den Ofen stellen, nach und nach den Wein angießen und ca. 1 1/2 bis 2 Stunden ohne Deckel garen. Herausnehmen, leicht abkühlen lassen und in Scheiben schneiden.

Dazu passen geschmorte Karotten oder im Ofen knusprig gebackene Rosmarinkartoffeln.