Warum haben eigentlich so viele Menschen ein Problem mit Fisch? Ich kenne einen Haufen Leute, die “eher nicht so gern” Fisch essen, Meeresfrüchte unappetitlich finden und sich vor Pulpo oder Tintenfisch richtig grausen. Da geht es aber nicht nur um den Saugknopf an ihrem Essen, sondern um einen ins fast schon Hysterische gesteigerten Ekel (schlupfrig, schleimig, etc.). Natürlich spielt der Geruch auch eine Rolle. Und eine in der Kindheit angelegte “Was-der-Bauer-nicht-kennt”-Mentalität.

Der andere Teil meines Freundes- und Bekanntenkreises geht dagegen beim bloßen Gedanken an Muscheltopf, Scampi vom Grill (mit “Auszuzeln” der Hirnregionen, selbstredend) oder Stockfisch ab wie Schmidts Katze. Solchen Leute macht man die größte Freude, wenn man einen ganzen Lachs in den Räucherofen verfrachtet oder bei der Störzucht um die Ecke einen Wascheimer voller Kaviar besorgt.

Gut, auch ich esse durchaus nicht alles (Labskaus zum Beispiel krieg ich beim besten Willen nicht runter) und finde, dass Aversionen durchaus ein gewisses Maß an Respekt verdienen. Dennoch fühle ich mich eher den Menschen vom 2. Schlag zugehörig.

Weil man jedoch seine Sympathie und Freundschaft nunmal nicht an den gustatorischen Vorlieben seiner Mitmenschen festmacht, ist die zentrale Frage bei Essenseinladungen oftmals:
Wie verpacke ich meinen Fisch so, dass auch Allenfalls-Fischstäbchen-Esser den Teller mit Genuss leer putzen, ohne das gute Stück in Speck wickeln oder in Soße ertränken zu müssen?

Und wie werde ich dabei auch den Fischliebhabern gerecht?

Ich lege zwar nicht meine Hand dafür ins Feuer, aber mit diesem Heilbutt – der sich unter eine saftige Estragonhaube gekuschelt, aber geschmacklich nicht vollständig darunter versteckt hat – könnte der Spagat durchaus gelingen.

Besagte Haube besteht aus einer Mischung aus Parmesan, Crème fraîche, Zitronenpfeffer und frischem Estragon und ja, ich weiss, Käse zu Fisch ist ein Sakrileg und in Italien würde man mich dafür mit Sicherheit teeren und federn.

Egal. Man kann es nicht allen recht machen.

Beim ersten Selbsttest gab es dazu ein Feines Zucchini-Zuckerschoten-Gemüse, für das ich meinen neuen Julienne-Schäler eingeweiht habe.


Nein, man muss so was natürlich nicht haben, erst recht nicht in einer Butze, in der noch nicht einmal eine Spülmaschine existiert. Aber kleine Geschenke bessern einfach ungemein das Befinden.
Ich werde nun tagelang Gemüse in Stifte schneiden, sautieren, frittieren, blanchieren und dabei einen Mordsspaß haben.

Heilbutt unter der Estragonhaube

Zutaten

  • 2 schöne (möglichst breite) Stücke vom Heilbutt
    Salz und frisch gemahlener Pfeffer
    2 EL Crème légère (oder saure Sahne)
    1 Knoblauchzehe
    eine Hand voll frischer Estragon
    2 EL frisch geriebener Parmesan
    Zitronenpfeffer
    3 schlanke Frühlingszwiebeln
    1 Hand voll Alfalfa-Sprossen

Zubereitung

1. Den Heilbutt mit etwas Küchenkrepp vorsichtig trocken tupfen. Vorsichtig salzen und pfeffern. Die Stücke in eine Auflaufform setzen.

2.Den Knoblauch fein hacken, ebenso 2 der Frühlingszwiebeln. Den Estragon ebenfalls sehr fein hacken, vorher die Blättchen von den groben Stielen zupfen (feinere Stiele hacke ich mit).

3. In einer Schüssel die Crème légère mit dem Knoblauch, dem Estragon, dem Parmesan und den Frühlingszwiebeln gut vermischen. Das ist das “Topping” für den Heilbutt, das nun mit einem Kuchenspachtel oder einem flachen Bratenwender auf die Fischstücke gestrichen wird.

4. Der Heilbutt darf nun bei 180° C für ca. 25 Minuten in den Ofen. Vorsicht: Die Garzeit ist natürlich abhängig von der Dicke der Stücke, kann also bei jedem unterschiedlich sein.

5. Die dritte Frühlingszwiebel fein hacken. Wenn der Heilbutt gar ist, aus dem Ofen nehmen und vorsichtig auf Teller setzen (ist etwas schwierig, weil Heilbutt von Natur aus sehr schnell zerfällt). Mit den Frühlingszwiebeln bestreuen und den Sprossen garnieren.

Zubereitungszeit: 40 Minuten (inkl. Garzeit)

Ein dickes Dankeschön geht an den Fischhändler d.V.!

Und ich gebe definitiv:  5 Sterne: ★★★★★