Nichts macht so viel Spaß wie das Schwelgen in kulinarischen Erinnerungen und das Träumen von zukünftigen Genüssen. Ein Urlaub in der Provence. Bordeaux und seine Weine. Lyon, das Schlaraffenland Europas. Die Möglichkeit einer Tarte au citron. Und – beim harten Fall zurück in die Realität – die Tatsache eines leeren Kühlschranks.

Im Bordeaux war ich noch nie, auch Lyon kenne ich nur aus Reiseführern. Aber zwei Tage Paris – beruflich – haben mein kulinarisches Gedächtnis reaktiviert.

Mich an meine ersten Moules frites i(n einer Marseiller Hafenkneipe), die erste Bouillabaisse avec sa rouille (Nizza, mit 22 im Corsa von Hessen an die Côte d’Azur), die erste Galette (produziert von einem Italiener mit bretonischen Wurzeln, der Frauen gern ins Bett kochte), den ersten Chèvre Chaud (Paris, auf Durchreise) und die erste Crème brûlée (nach „Amélie“ dann eine Zeit lang zu oft verzehrt) zurückdenken lassen. Bis auf eine traumatisierende Erfahrung mit Kutteln – ein Erlebnis, das ich meinem algerischen, illegal im Hinterhof schlachtenden Gastvater aus Montpellier zu verdanken habe – waren meine Begegnungen mit der französischen Küche durchweg positiver Art. Nicht auszuschließen, dass ich mich deshalb mit 17 Jahren für den Leistungskurs Französisch entschied. Leider bin ich heute weder Dolmetscherin noch chef de cuisine.

Nach wie vor ist Frankreich aber für mich ein Land, in dem Wein und Dijonsenf fließen, die Mousse au chocolat auf Bäumen wächst und das Cote de Boeuf avec pommes allumettes, den Pariserinnen nach zu Urteilen, auch nach 22 Uhr nicht anzusetzen scheint.

Leider ist eine Übersiedlung ins Paradies derzeit nicht geplant, und es ist auch nicht immer die Zeit für ausschweifende Mehrgang-Menüs. Dann braucht es ein einfaches, schnell zu realisierendes und doch typisches Gericht, das den Appetit auf französische Lebensart zumindest für den Augenblick einer schlichten Mahlzeit zu stillen weiß.

Alors, c’est le temps pour: Aumônières de Chèvre Chaud.

Ein würziger Ziegenkäse, ein dünner Strudelteig, guter Honig und eine Handvoll reifer Himbeeren – mehr braucht es nicht zum Glück. Bei der Wahl des Käses darf man sich ruhig von den eigenen Vorlieben leiten lassen, mal einen milden Ziegenfrischkäse (z.B. Picandou), mal einen kräftigeren crottin de chèvre oder einen St. Maure verwenden.

Super: Mit vollem Mund Paris-Fotos sichten.
Nicht so super: Appetit auf mehr bekommen.

Knusprige Ziegenkäse-Beutelchen mit Blattsalaten und Himbeerdressing

Zutaten

  • Für die Beutelchen:
  • 8 Blätter Filo-oder Yufkateig (ca. 100 g: ca. 30 x 30 cm) (mir war Filoteig zu dick, da ich zur falschen Packung gegrifen habe; ich habe stattdessen Strudelteig genommen, das funktioniert wunderbar und ist im Zweifelsfall auch einfacher zu bekommen)
  • 50 g Butter
  • 8 Ziegenfrischkäsetaler (à ca 20 g)
  • 4 TL Blütenhonig
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • 12 Walnusskernhälften
  • Für den Salat:
  • 2 Bund Rucola oder gemischte Blattsalate
  • 2 EL Himbeeressig
  • 1 TL Akazienhonig
  • 1/2 TL Dijonsenf
  • Salz
  • je 1 EL Walnuss- und Olivenöl
  • 125 g Himbeeren
  • Hardware: 1 Muffinblech oder 8 Einzelformen

Zubereitung

1. Den Backofen auf 180°C (Umluft 160 °C) vorheizen. Den Teig aus der Packung nehmen und jedes Blatt in 3 gleichmäßig große Quadrate schneiden (bei Strudelteig ist es letztlich genauso; aber Vorsicht, der hauchdünne Teig reißt natürlich noch schneller). Butter in einer kleinen Kasserolle schmelzen.

2. Acht Mulden einer Muffinform (oder die einzelnen Förmchen) mit etwas Butter auspinseln, den Rest Butter auf die Teigblätter streichen. Je 2 Teigblätter versetzt aufeinanderlegen (so dass ein achteckiger Stern entsteht) und die Sterne vorsichtig in die Muffinmulden legen. Je 1 Ziegenkäsetaler hineinlegen und mit einem halben TL Honig beträufeln, pfeffern. Die grob gehackten Walnüsse darüber streuen und die Teigblätter locker zu einem Beutelchen zusammendrehen. Mit der übrigen Butter bestreichen. Im Ofen auf der unteren Schiene in 15-20 Minuten goldbraun backen.

3. Inzwischen die Blattsalate waschen, putzen und trocken schleudern. Den Essig mit dem Honig, dem Senf, Salz und Pfeffer verrühren. Beide Ölsorten in einem dünnen Strahl einfließen lassen und gut unterschlagen, bis das Dressing eine cremige Konsistenz bekommt. Himbeeren verlesen, waschen und trocken tupfen. Kurz vor dem Servieren das Dressing unter die Blattsalate/den Rucola heben, auf Teller verteilen und die Himbeeren darüber streuen.

4. Die Ziegenkäsebeutelchen aus der Form heben, je zwei Stück auf die Salate setzen, et voilà.

Tipp: Der zarte Schmelz des üppig-cremigen, leicht karamellisierten Ziegenkäses harmoniert übrigens auch bestens mit anderen fruchtbetonten Vinaigrettes. Wer also keinen Himberressig hat, kann es genauso mit Apfel- oder Johannisbeeressig oder einem Dressing auf Zitronensaftbasis versuchen.

So lange braucht man: 45 Minuten

Und so schmeckt es: ★★★★★ (vraiment délicieux!)