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Riiiischtisch. Ein Buch gehört nicht auf den Esstisch. Lässt sich aber momentan nicht vermeiden – die Nichterfüllung des wegen mangelnder Motivation selbstauferlegten Lernplans macht mich unruhig. Außerdem steigert Kauen die Konzentrationsfähigkeit (laut einer Studie im Auftrag einer bekannten Kaugummimarke) oder wie eine Kommilitonin mal meinte: Kauen beruhigt.
Träumen hilft auch. Meinen Kalkulationen zufolge ist es gestattet, sich alle zwei Stunden einer Kurzmeditation hinzugeben, vornehmlich in Form von Gedankenreisen und Tischleindeckdich-Visionen. Hmmmm, ich hätte jetzt gern… eine Bistecca Fiorentina, in Olivenöl gebratene Puntarelle und dazu ein schöne Glas Montepulciano.

Auf den Boden der Tatsachen zurückkommen ist nach solchen imaginären Italientrips natürlich doppelt hart. Momentan läuft sich der Sushi-Bringdienst für mich die Hacken wund oder es gibt Cucina Rapida. Bei diesem Gericht habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht (was vor allem daran liegt, dass die Zubereitung schon gute drei Wochen her ist und diffizilere Kochaktionen noch in den Zeitplan passten). Seitdem schlummerte der Post einen Dornröschenschlaf, aus dem ich ihn hier und jetzt reissen werde.

Das “Problem” bei Artischocken: Man muss sich ihnen widmen. Artischocken fallen eindeutig in die Kategorie  “Erlebnis-Essen”, vor allem die schönen großen, bei denen man sich nicht nur auf’s Herz stürzt, sondern Blatt für Blatt “abnagt” und davor einzeln in einen guten Dip tunkt, egal ob das eine Ei-Vinaigrette, eine Mayonnaise oder eine Joghurtsauce ist. Aber auch bei der Zubereitung sind Artischocken eher “Slowfood”, es sei denn, man nimmt die aus der Dose (was aber nur auf der Pizza wirklich lecker ist).

Außer den Großen, Dicken mag ich natürlich auch die Kleinen, Festen ;–)  Die zu bekommen ist hier in Deutschland ein mittelschweres Unterfangen, selbst in einer Großstadt wie Hamburg und vor allem, wenn man mit einem (dem vernünftigen) Auge auf den Preis schielt (während das andere, das unvernünftige, sich gerade von der Leine gerissen hat).

Neulich konnte ich allerdings vier schöne “Carciofini” ergattern, ohne mich komplett zu ruinieren. Wie gemacht für den wunderbaren Artischockensalat, den ich während meiner Zeit in Florenz oft zubereitet habe.

Das perfekte Abendessen – passend zum Fernweh!


Wichtig ist, dass die Blätter der Artischocken zart und weich (und nicht strohig und furz*pardon*trocken) sind, sonst kaut man später auf harten Fasern herum.

Außerdem braucht man ein gutes Fladenbrot. Hat man Zeit, kann man das natürlich selbst machen. Hat man keine Zeit, nimmt man eines vom türkischen Feinkostladen.


Guter Knoblauch ist elementar!


Plus: aromatische Spitzpaprika, rote Zwiebeln und ein paar schöne scharfe Chilis.

Artischocken-Brot-Salat mit gerösteten Paprikaschoten

Zutaten für 4 Personen (als Vorspeise)

  • 500 g Spitzpaprika
    1 gelbe Paprika
    1 rote Zwiebel
    1-2 Knoblauchzehen
    12 kleine Artischocken
    4 EL Olivenöl
    4 EL Zitronensaft
    8 Stiele glatte Petersilie, Koriander oder Basilikum sind auch lecker dazuFür das Dressing/Marinade:
    10 EL Weißweinessig
    8 EL Olivenöl
    Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Zucker
    Zubereitung

1. Die Spitzpaprika und die Paprika waschen, entkernen und im Ofen bei 180 ° C rösten, bis die Haut schwarze Blasen wirft. Abkühlen lassen, enthäuten und in Stücke oder Streifen schneiden.2. Den Knoblauch fein hacken und in eine kleine Schüssel geben. Mit dem Weißweinessig, 8 EL Wasser und 8 EL Olivenöl gut verrühren. Das Dressing mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Die Paprika und die in Spalten geschnittene rote Zwiebel dazu geben und im Dressing ziehen lassen.

3. Das Fladenbrot in mundgerechte Stücke schneiden. Nebeneinander auf einem Backblech verteilen und unter dem vorgeheizten Backofengrill auf der obersten Schiene von beiden Seiten goldbraun rösten. Abkühlen lassen.

4. Von den Artischocken großzügig die äußeren harten Blätter anzupfen. Die Stiele abschneiden und die Artischocken halbieren (oder längs in 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Sofort mit Zitronensaft beträufeln.

5. 4 EL Olivenöl in einer großen beschichteten Pfanne erhitzen und die Artischocken darin bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Leicht mi Salz und Pfeffer würzen. In eine große flache Schüssel geben. Mit dem Dressing übergießen und 10-15 Minuten ziehen lassen.

6. Inzwischen die Petersilien- oder Korianderblätter von den Stielen zupfen und grob hacken. Das Fladenbrot und die Kräuter unter das Artischocken-Paprika-Gemüse heben und nochmal 5 Minuten ziehen lassen.

Zubereitungszeit: 1:40 Minuten (inkl. Röstzeit)

Und weil’s so verdammt lecker ist: 5 Sterne: ★★★★★