Noch sieht es nicht danach aus, also ob der Frühling in großen Schritten nahen würde. Gut, es ist ja auch erst Anfang März, da muss man sich aus gutem Grund noch etwas gedulden, bis wieder zartere Gemüse auf den Ständen liegen und die Ohren einem nicht mehr abfallen, weil man aus lauter Schludrigkeit seine Lieblingsmütze irgendwo liegen gelassen hat.

Aber man weiß ja nie, was der Wettergott so für Launen hat. Es könnten auch schlagartig 10 °C werden am Wochenende, was wahrscheinlich zu Engpässen bei den Münchner Gastronomen führen würde, weil so viele Aperolflaschen fürden „Spriiiiiiiiizz“ noch gar nicht im Lager liegen und die Leute schneller saufen Aperitiv trinken als der Giuseppe schauen kann.

Bevor also der Frühling Einzug hält, muss ich ganz schnell noch ein Rezept loswerden, bevor es zu spät ist. Das für die köstlichen gebratenen Kerbelwurzeln mit Mohn.

Ich werfe eine kleine Warenkunde zwischen meine privaten Ausführungen.

Kerbelwurzeln (oder auch Kerbelrübe) gehören zu den sogenannten „vergessenen Gemüsesorten“, deren Reintegration ins kollektive Gedächtnis momentan schwer in Mode ist. Bei manchen Gemüsesorten wie Sauerampfer, Spitzkohl oder Brunnenkresse habe ich durchaus nichts dagegen, bei anderen – wie Schwarzwurzeln, Pastinake oder Stielmus – frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, sie im Kasterl zu lassen. Vielleicht gab es Gründe für ihre Verdrängung aus dem Speiseplan?!

Kerbelwurzeln gehören zu den Ausnahmen, wie ich jetzt weiss. Schon als Kraut mag ich Kerbel unglaublich gerne, im Quark zum Beispiel oder zu karamellisierten Karotten/Möhren oder über Pellkartoffeln. Vielen Dank an die Römer, die das Zeug zu uns brachten, wie so vieles von dem, was lecker schmeckt. Habe ich schon erwähnt, das ich kein großer Fan von „deutschem“ Gemüse bin? Allenfalls Brokkoli mag ich hin und wieder, aber der zählt nicht – den gibt es auch in der italienischen Küche.

Kerbelwurzeln dagegen nicht. Dafür scheint die ungarische Küche viel damit anfangen zu können (habe ich gelesen. wer weiß mehr?). Die gelbfleischige Knolle, die von Geschmack und Konsistenz her ein bisschen an Esskastanien erinnert und quasi der Teil unter dem Kerbelgrün ist, findet man auf unseren Märkten von Dezember bis März (die Knollen werden im Herbst geerntet und dann ca. 2 Monate gelagert). Vorausgesetzt, man sucht sie. Und suchen muss man.

Leider habe ich kein Foto von den Rübchen im verzehrfertigen Zustand, also gebraten und in Mohn gewendet. Aber ich habe sie so gegessen, ich schwöre!

Ein richtiges Rezept braucht es hier eigentlich nicht – es ist mehr ein Gericht nach dem Prinzip „Ich kaufe Gutes und baue es zusammen“. Das funktioniert immer wieder. Sogar so gut, dass mein Freund Manuel neulich meinte, man müsse eigentlich gar nicht wirklich kochen können. Nur gut einkaufen.

Recht hat er. Zumindest bei diesem Gericht.

Gebratene Kerbelwurzeln mit Mohn

Zutaten

  • Kerbelwurzeln (so viele wie man auftreiben kann)
    4 EL Traubenkern- oder Olivenöl
    3 EL Blaumohn
    Fleur de Sel, frisch gemahlener Pfeffer
    ein bisschen Kerbelgrün

Zubereitung

1. Kerbelwurzeln waschen und schälen. In feine Scheiben oder Spalten schneiden. Kerbelgrün waschen, trocken schütteln, Blättchen abzupfen, evtl. fein hacken.

2. Öl in einer Pfanne erhitzen. Kerbelwurzeln wie Kartoffeln in der Pfanne von beiden Seiten braten, bis sie innen durch und außen leicht knusprig sind. Dabei so wenig wie möglich wenden (eine gute Pfanne ist von Vorteil). Herausnehmen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

3. Mohn und Salz miteinander vermischen. Die gebratenen Kerbelscheiben/-spalten in der Mischung wälzen. Pfeffern. Mit den Kerbelblättchen bestreuen und servieren, z.B. zu einen schönen Rindersteak.

Zubereitungszeit: 25 Minuten

Seltenes schmeckt immer: ★★★★☆