Bärlauch ist in den letzten Jahren zum Modekraut aufgestiegen. Anfangs noch ein großer Fan der grünen Pflanze mit dem Knoblaucharoma, hat sich bei mir irgendwann eine leichte Übersättigung eingestellt. Fakt ist: Die Bärlauchhysterie hat Deutschland fest im Griff. Keine Speisekarte, auf der im April kein Bärlauchgericht steht, keine Mutter-Kind-Gruppe, in der nicht das „ultimative Bärlauchpesto-Rezept“ ausgetauscht wird. Dazu kommt, dass man nach dem Genuss oft tagelang das Haus nicht mehr verlassen kann.

In Leipzig keinen Bärlauch zu mögen bzw. zu verkochen, grenzt jedoch fast schon an Frevel. Wo man im Rest Deutschlands 2,99 € für ein kleines Töpfchen zahlen oder – bei Haus mit Garten – auf spärlichen Eigenanbau (immerhin!) zurückgreifen muss, sprießt der Bärlauch in Leipzig wie Unkraut. So mancher Jogger, der sich Ende April seinen Weg durch den Auenwald erkämpfte, hatte mit heftigen Übelkeitsattacken zu kämpfen, so knoblauchgeschwängert ist die Luft dort.
Der Anblick des sich meterweit durch das Dickicht erstreckenden grünen Teppichs aber ist phänomenal. Schon mal so viel Bärlauch gesehen?

Natürlich kommt in L.E. kein Mensch auf die Idee, seinen Bärlauch im Supermarkt zu kaufen – hier liegt er ja buchstäblich auf der Straße, genauer gesagt auf dem Waldboden des Leipziger Auenwaldes. Bei einem Sparziergang vor zwei Wochen hat mich der Anblick der grünen Pracht doch wieder schwach gemacht. Also schnell von vorüberziehenden Passanten eine Plastetüte erschnorrt und dann rein ins Vergnügen.

Sieht ein bisschen doof aus:

aber die Beute kann sich sehen lassen:


Übrigens bin ich kein Einzelfall, wie man hier sehen kann. Inzwischen spiele ich mit dem Gedanken, eine Selbsthilfegruppe für Bärlauchgeschädigte zu gründen. Immerhin sind die Folgen nicht von der Hand zu weisen: Gute 1,5 kg nicht ganz geruchsneutrales Grünzeug blockieren seit der Sammelaktion meinen Kühlschrank.

Da bleibt nur die Flucht nach vorne. In den nächsten Tagen wird es also viel Bärlauch geben. Ich werde mich um größtmögliche Kreativität bemühen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.


Hier aber erstmal die Basics:

Bärlauch-Pesto:

Die meisten Bärlauchpesto-Rezepte bieten genaue Mengenangaben. Ich persönlich finde so etwas immer schwierig, da ich „nach Gefühl“ und nicht mit der Waagschale koche. Die hier aufgeschriebenen Mengen dürfen daher gerne relativiert und dem individuellen Geschmack angepasst werden.

50-60 g Pinienkerne
40 g Cashewkerne
1 Prise Salz
Viiiieeeel Bärlauch (ich habe gewogen: es waren ca. 140 g!)
100-120 ml Olivenöl
8 EL geriebener Parmesan
4 EL geriebener Peccorino

Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis sie Farbe annehmen. Dabei aufpassen, dass sie nicht zu braun werden, sonst schmeckt das Pesto schnell bitter.
Ebenso die Cashewkerne anrösten.

Die Kerne zusammen mit dem Bärlauch und einer Prise Salz im Standmixer (oder mit dem Pürierstab) zu einer homogenen Masse pürieren, dabei langsam das Olivenöl einfließen lassen. (Bei mir ist der Püriervorgang manchmal etwas schwerfällig: „Nachstochern“ hilft.)
Den fein geriebenen Parmesan und Peccorino unterheben, alles nochmal gut durchpürieren und mit etwas Zitronenschale (ich kann es einfach nicht lassen), Salz und Pfeffer abschmecken.
In heiß ausgewaschene Gläser füllen und mit Olivenöl bedecken.
Das Pesto hält sich im Kühlschrank ein paar Tage und lässt sich auch prima einfrieren.

Bärlauchbutter mit Haselnüssen:

1 Bund Bärlauch (ca. 50g)
2 EL neutrales Öl (z.B. Rapsöl)
2 EL geröstete und gehackte Haselnusskerne
1 gute Prise grobes Meersalz
120 g Butter

Den fein gehackten Bärlauch mit dem Öl und den gehackten Haselnüssen im Mixer zu einer sämigen Paste pürieren. Die Butter (Zimmertemperatur) untermischen und mit Meersalz abschmecken. Die Bärlauchbutter entweder in Frischhaltefolie gewickelt oder in kleine Gläschen gefühlt kühl stellen. Zum Servieren mit ein paar gerösteten Haselnüssen und feinen Bärlauchstreifen garnieren.