Ein Virus geht gerade um, gottseidank einer von den guten. Seine volle Schlagkraft entwickelt er bei Temperaturen unter 5°, mit Vorliebe bei Nieselregen und Matschwetter. Widerstand ist natürlich zwecklos, was in diesem ganz speziellen Fall aber nicht in tagelanger Bettlägrigkeit, sondern in einem wunderbaren Wintergericht endet.

Reihum hat der Appetit auf Radicchio-Risotto meinen gesamten Freundeskreis erwischt, jeder von uns wusste eine andere Geschichte zu erzählen. Natürlich wurde fleißig gefachsimpelt: Wie viel Radicchio auf wie viel Reis? Welche Sorte? Lieber mit Weißwein oder doch ganz klassisch mit Rotwein? Gorgonzola oder Parmesan? Hasel- oder Walnüsse? Und – ganz wichtig – was tun, wenn man nicht mehr aufhören kann?

Für mich war die Auswahl der Zutaten von Anfang an eine klare Sache, hatte mir meine Freundin Anna aus Berlin neulich doch einen Karton mit selbst gesammelten Walnüssen aus Schwiegerpapas Garten geschickt. Huhu, Anna!
Ein Teil davon durfte als knuspriges Finish auf dem Risotto Platz nehmen, außerdem kam der von meiner Mama regelmäßig importierte Parmesan wieder mal zu seinen Ehren.

Nur beim Radicchio musste ich wohl oder übel Abstriche machen und auf einen Trevisano ausweichen. Besser geeignet wäre natürlich der Radicchio tardivo gewesen, dessen lange, locker gewachsene Blätter saftiger und fleischiger sind als der bei uns erhältliche Salat-Radicchio (und der sich herrlich braten, grillen, schmoren oder dünsten lässt). Der Trevisano mit seinen breiteren, geschlossenen Blättern ist seinem edlen Bruder zwar nicht ganz ebenbürtig, aber für ein Risotto reicht er allemal.

Unabdingbar dagegen: Rotwein!! Am liebsten viel und am liebsten gut.
Erst dann bekommt der Reis jene herrlich violette Tönung, schöner als jede Gothic-Frisur. Perfekt wird er übrigens, wenn man am Ende eine ordentliche Portion Butter unterrührt.
Und ganz besonders fein schmeckt er mit in Honig und Thymian geschmorten Feigen….

Damit hätten wir sie also, die Formel für den beliebtesten Winterrisotto 2011/2012.

Radicchio-Risotto mit Rotwein und Walnüssen

Zutaten

  • 200 g Radiccio Trevisano
    1 rote Zwiebel
    1 Knoblauchzehe
    2 EL Öl 100 ml
    Rotwein
    240 g Risottoreis (Arborio oder Carnaroli)
    1 l Brühe
    Salz, frisch gemahlener Pfeffer
    2 EL Butter
    50 g Parmesan plus etwas Parmesan zum Servieren
    Grün von 2 Frühlingszwiebeln

Zubereitung

1. Den Radiccio putzen, waschen und in Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen, fein würfeln. Walnüsse knacken. Parmesan reiben. Frühlingszwiebelgrün in Ringe schneiden.
2. In einer schweren Pfanne oder einem hohen Topf das Öl erhitzen. Zwiebel- und Knoblauchwürfel darin unter Rühren anschwitzen. Radicchiostreifen dazugeben und ebenfalls dünsten. Reis dazugeben und ca. 3-4 Minuten mit dem Radicchiogemüse anschwitzen, dabei alles gut vermischen.
Mit Rotwein ablöschen und leise simmern lassen, bis der Wein fast vollständig eingekocht ist. Dann den Reis nach und nach mit Brühe aufgießen. Der Reis sollte auf keinen Fall „im Trockenen schwimmen, also immer dafür sorgen, dass er mit ausreichend Brühe bedeckt ist. Das ständige Rühren, das in so vielen Rezepten angemahnt wird, ist dabei gar nicht nötig – es reicht, wenn man hin und wieder mal nach dem Rechten sieht.

3. Kurz vor Ende der Garzeit den Parmesan unterheben, alles gut durchmischen, dann die Butter unterheben – erst so wird das Risotto so richtig cremig.

4. Mit geriebenem Parmesan, Frühlingszwiebelringen und frisch geknackten Walnüssen servieren.

Zubereitungszeit: 35 Minuten

Lila Launebär: ★★★★★