FenchelBlutorangenSalat

  Eigentlich habe ich ja gar keine Lust auf schlanke Kost, auch und erst Recht nicht nach den mit tausendundeins Köstlichkeiten angefüllten letzten Wochen. Trotzdem beginnt mein Bloggerjahr mit einer Single-Portion Salat, immerhin einem meiner Top 5-Wintersalate: Ein Teller voll mit knackigem Fenchel, aromatischen Blutorangen, knusprigen Mandeln und einem herrlich sämigen, fruchtig-herben Sanddorndressing. Seit gestern hänge ich wieder in der Provinz ab, just me and myself, eine Tatsache, die mir im Gegensatz zu diesem feinen Seelentröster nicht unbedingt schmeckt, die aber unervermeidlich ist. Job ist immer noch Job, und auch wenn mein Herz längst in Köln weilt, haben Körper und…

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Ich bin nicht gerade der klassische Silvestertyp. Groß angekündigte Ereignisse mit Tusch, Böller und Trara lösen in mir oft das Bedürfnis aus, lieber im Kleinen, Stillen zu feiern und die ganze Sache mit der Sause auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Dieses Jahr allerdings muss mal wieder eine standesgemäße Neujahrshuldigung sein, wir begießen das alte ganz ungezwungen in kleiner, feiner Runde und betanzen das neue in etwas größerer. Und ich habe tatsächlich Lust darauf: Auf das Lichtermeer am Himmel, auf die Explosion der Sinne und auf das ein oder andere Feuerwerk in all unseren Herzen, wenn man sich umarmt und gemeinsam…

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Jedes Jahr nehme ich mir vor, mir irgendwo rechtzeitig ein wenig Weihnachtsfieber einzufangen. Meistens bleibt es bei einer ganz gewöhnlichen Erkältung oder einem nervigen grippalen Infekt, von der berühmt-berüchtigen X-Mas-Influenza ist bei mir auch Mitte Dezember weit und breit noch nichts zu sehen. Erst kurz vor knapp machen sich eventuell dann doch noch leichte Symptome dieses ziemlich vereinnahmenden Virus bemerkbar, ich brauche dann auf einmal ganz viele Kerzen und Wattebauschgirlanden und einen mit goldenem Masking Tape an die Wand geklebten Fake-Weihnachtsbaum. Und ich stehe stundenlang in der Küche und mache fünf vor zwölf noch hausgemachte Kleinigkeiten und schnüre Foodpakete und bringe…

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Irgend jemand hat meinem Advent ein paar Türchen geklaut. Ich weiß nicht genau, wer es war, aber da fehlen definitiv ein paar in meinem Kalender. Der ist nun aber auch schon etwas eingerostet, das ein oder andere Kästchen knarzt und klemmt, an anderen fehlt der Griff und ich bin nicht sicher, ob er überhaupt befüllt ist. Befüllt mit Zeit, genau um diese geht’s, die ist mir ohnehin viel kostbarer als Schokoladenmänner oder Plätzchen oder was man sonst so goldfadenverschnürt in 24 Tage packt.

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 Der Herbst, ok, auch der gerade einsetzende Winter, sie wären wohl nur ein müder Abklatsch ihrer selbst, eine verblichene Kopie aus einem abgelaufenen Kalenderblatt, ohne nicht wenigstens ein bauch- und seelenschmeichelndes Kürbissuppenrezept. Allein das satte Leuchten der orangerot gefüllten Schüsseln wirkt in Sekunden und verspricht … ja, was eigentlich? Einigen wir uns auf das sofortige Einsetzen dieses wohlig-warmen Gemütlichkeitsgefühls, das auch schummriges Kerzenlicht, der Duft frisch gebackenen Brots und die olle, schrecklich fusselnde, aber superweiche Kuscheldecke bei uns auslösen.

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„Fritta è buona anche una ciabatta“, sagte einst mein Mitbewohner Vincenzo in Florenz, was in etwa so viel bedeutet wie „frittiert schmeckt so gut wie alles, sogar die Hauspantoffeln“. Der Spruch stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Pellegrino Artusi, jenem toskanischen Literaturkritiker und Feinschmecker aus dem 19. Jahrhundert, der es mit seinem – übrigens anfänglich auf eigene Kosten publizierten – Buch „La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene („Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens“,) zu nicht unerheblichem Ruhm und Ehre brachte. Artusis umfassende Sammlung traditioneller Rezepte aus ganz Italien ging schnell durch die…

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Im Leben gibt es eine einfache Regel: Wenn etwas aus dem Lot zu kommen scheint, dann atme tief durch und mache ein paar Bo La Lot. Man muss die Hürden und Barrieren und diese nervigen Steine, die die nächste Etappe und die Atemwege verstopfen, einfach um den kleinen Finger wickeln. Wenn man mich fragt, sind Wildbetelblätter in solchen Lebenslagen oftmals sogar die bessere Wahl.

  … natürlich ginge es zur Not auch ohne. Allerdings, was wäre das (Alltags-)Leben bloß ohne die Glück und Kraft spendende Wirkung einer dampfenden Schüssel Gemüsesuppe? Für meinen derzeitigen Arbeitgeber Viani entstand vergangene Woche dieser italienische Eintopfklassiker mit viel Petersilie, Parmesan und verschiedenen Hülsenfrüchten darin. Kurz vor dem Tauchbaden des Löffels kam ein ordentlicher Schuss des frisch eingetroffenen Olio Fresco dazu. Das erste Öl unseres abruzzesischen Olivenölbauern Ursini ist der Knaller, kaltgepresst und ungefiltert, von grasgrüner Farbe, vor allem aber samtig, ach was sag ich: cremig, fruchtig und mit einer perfekt eingebundenen Schärfe und feinen Bitternote im Mund.

  Der Vorsatz, mal für ein paar Wochen kleinere Brötchen Omelettes zu backen und dafür ein wenig in mich zu gehen, wurde bereits Anfang des vergangenen Monats aus den Angeln gehoben. Ich hatte Geburtstag und gegen meine Gewohnheit, diesen Tag eher unspektakulär zu begehen, sah ich mich auf einmal auf einer zweitägigen Party nach Art einer türkischen Hochzeit wieder, inklusive blau getanzter Fußnägel und wilder Umarmungen und Tränen der Rührung, als der harte Kern der Truppe in der winzigen Bude meines Freundes irgendwann zu singen anfing. Man kann über Köln sagen was man will, aber die Kölner, nee, auf die…

Die Woche beginnt mit einem Rezept, das ich seit Herbstbeginn ungefähr 15 Mal getestet habe. Irgendwie musste ich vor mir und meinem Gewissen ja rechtfertigen, dass es schon wieder Flammkuchen gibt. Mit Speck! Und Schmand!! Und Federweisser!!! Es waren nicht die schlechtesten Versuchsreihen, oh nein. Aber immer bestand nach erfolgreich absolvierter Eliminierung des Versuchsobjekts bei der anschließenden Evaluation unter Federweissereinwirkung noch ein flammkuchenteigdünner Restoptimierungsbedarf. Das schlussendliche Ergebnis des Forschungsprojekts wird meine Ausgaben für Walnussmehl und Strom ordentlich in die Höhe treiben. So lange es noch geht außerdem auch jene für Steinpilze, Pfifferlinge und Co. Aber wer braucht schon einen vollen…